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Epilepsie: weniger Krampfanfälle durch personalisierte Therapien

Epilepsie ist nicht gleich Epilepsie. Das Krampfleiden, das weltweit rund 65 Millionen Menschen betrifft, kann viele verschiedene Ursachen haben. Dies ist auch ein Grund, warum bislang etwa 30 Prozent der Patienten nicht auf Medikamente ansprechen. Wie Präzisionsmedizin und personalisierte Verfahren heute auch die Therapiechancen dieses letzten Patientendrittels verbessern, ist ein Thema auf der Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neuro-physiologie und Funktionelle Bildgebung e. V. (DGKN) am 28. März 2019 in Freiburg. Sie findet im Rahmen der 63. Wissenschaftlichen Jahrestagung der Fachgesellschaft statt.

Eine Epilepsie kann genetisch bedingt sein. Aber auch Tumore, Vernarbungen nach Schädel-Hirn-Trauma oder Schlaganfall, sowie kleine angeborene Defekte der Hirnrinde gehören zu den Ursachen des Anfallsleidens. „Angesichts dieser vielfältigen Auslöser ist es erfreulich, dass immerhin 70 Prozent der Patienten mithilfe moderner Medikamente zur Behandlung von Krampfanfällen, den sogenannten Antikonvulsiva, heute anfallsfrei leben können“, sagt Prof. Dr. med. Felix Rosenow, Leiter des Epilepsiezentrums Frankfurt Rhein-Main der Universität Frankfurt/Main,

„Um auch den übrigen 30 Prozent helfen zu können, setzen wir zunehmend auf neue, personalisierte Therapien“, berichtet Professor Rosenow.

So sind mittlerweile 16 genetische Risikofaktoren bekannt, die allein oder zusammen, eine Epilepsie mitbedingen können. „Mit diesen Erkenntnissen ist es möglich, Arzneien und Maßnahmen zu identifizieren, die direkt auf die Epilepsierisikogene wirken, um so Anfälle zu unterbinden“, so Professor Rosenow. Ein Beispiel seien etwa Patienten mit einer angeborenen Störung des Glukosetransports. Dadurch stünden dem Gehirn zu wenig Ketonkörper für einen ausgeglichenen Stoffwechsel zur Verfügung. Hier werde die Ernährung so umgestellt, dass das Gehirn wieder normal funktionieren könne“, sagt Professor Rosenow. „Bei solchen Patienten sehen wir dramatische Verbesserungen.“

Liegen den Krampfzuständen eine Tumorerkrankung oder eine andere, klar umschriebene Veränderung des Gewebes im Gehirn zugrunde, ist es heute möglich, diese Störherde auch in der Tiefe präzise zu lokalisieren - und dann gezielt minimalinvasiv zu entfernen. „Dazu kommen zunächst sogenannte Video-, Stereo- und Langzeit-EEG-Monitorings zum Einsatz. Hierbei werden Messelektroden für Hirnströme nicht nur auf der Kopfhaut, sondern entweder direkt auf dem Hirnkortex aufgelegt oder ins Gehirn implantiert“, erläutert Professor Rosenow. Anschließend können die Anfallherde mit Hilfe der sogenannten Radiofrequenzablation sowie der Laserthermoablation schonend und punktgenau verödet werden. „Im Gegensatz zu früher muss Dank der neuen Verfahren heute auch der Schädel nicht mehr großflächig eröffnet werden, es reichen kleine Bohrlöcher“, erläutert er. Die Laserthermoablation ist in den USA und Australien schon weit verbreitet. In Europa steht sie seit April 2018 zur Verfügung.

„Wir sind sehr froh, dass wir Dank der Präzisionsmedizin große Fortschritte in der Epilepsietherapie verzeichnen können, so Professor Rosenow weiter. Denn der Leidensdruck der Patienten sei enorm: „Das plötzliche Auftreten von Anfällen mit Bewusstseinsverlust, automatischen Bewegungen oder Sturz führt oft zu Rückzug und verminderter sozialer Teilhabe.“ Auch ein geregeltes Arbeitsleben sei deshalb oft nicht möglich.

Auf der Pressekonferenz am 28. März 2019 in Freiburg erläutert Professor Rosenow die Herausforderungen bei der Behandlung der Epilepsie und stellt weitere neue Therapieoptionen vor. Er erläutert dabei auch, für wen sie jeweils in Frage kommen.