Kongressbericht zur DGKN 2019

Die 63. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN) fand vom 28. bis 30. März im Konzerthaus in Freiburg statt.

Mit über 1000 Teilnehmern war die Veranstaltung sehr gut besucht, trotz Konkurrenz durch bestes Frühlingswetter. Erfreulicherweise haben auch zahlreiche Teilnehmer und Vortragende aus der Schweiz und Österreich teilgenommen. Der Kongress bot mit knapp 200 Vorträgen und über 60 Postern einen spannenden Überblick über aktuelle klinische und wissenschaftliche Entwicklungen in der Neurologie und Neurophysiologie. Wie immer wurde das wissenschaftliche Programm durch die hochkarätig besetzen Fortbildungsveranstaltungen des Richard Jung Kollegs ergänzt.

Die inhaltliche Neuerung, thematisch passende Vorträge in die Symposia zu integrieren stieß auf breite Akzeptanz. Außerdem wurde die kostenlose Verpflegung mit Obst, Kaffee und kühlen Getränken als Magnet für die Posterausstellung von den Besuchern gerne genutzt.

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Inhaltliche Schwerpunkte

Die diesjährigen Schwerpunktthemen waren Neurostimulation und -modulation, Monitoring und Therapie neurologischer Erkrankungen sowie neurologische und psychiatrische Erkrankungen als Netzwerkstörungen. Die Beiträge der Schwerpunktthemen erstreckten sich in thematischen Strängen über mehrere Tage. Weitere wichtige Bestandteile des Programms waren die klinisch-diagnostische Anwendung der verschiedenen Methoden in der Neurophysiologie.

Neuromodulation war Gegenstand zahlreicher Beiträge. Die Spannbreite reichte von der zellulären Ebene bis zur Anwendung beim Menschen und im Tiermodell. Beispielhaft dargestellt wurde die Modulation neuronale Netzwerke unter anderem im visuellen System, im Zerebellum, im Kontext professioneller musikalischer Anforderungen sowie im Schlaf. Im Fokus standen außerdem das motorische Lernen beim Gesunden und seine Erholung nach kortikalen Defekten. Der aktuelle Stellenwert der Elektrophysiologie wurde während des Kongresses nicht nur global beleuchtet, sondern auch detailliert im Kontext inflammatorischer und traumatischer Läsionen peripherer Nerven, der Beurteilung der Funktionserholung des ZNS bei pädiatrischen und adulten Krankheitsbildern und zur Beurteilung von Muskelerkrankungen. In der methodisch ausgerichteten Session zur Bildgebung mittels MRT stellten Prof. J. Hennig (Freiburg) und Prof. Speck (Magdeburg) die Möglichkeiten der MRT in der wissenschaftlichen „Routine“ aufwändigen Anwendungen an der Grenze des aktuell technisch erreichbaren gegenüber. Prof. R Wies (Bern, CH), Prof. C. Enzinger (Graz, AT), Prof. C. Stippich (Zürich, CH), Prof. R. Beisteiner (Wien, AT) stellten als Vertreter des Alpine Chapter der Human Brain Mapping Organization im Anschluss die state of the art u. a. der Bildgebung bei Epilepsie, Demenzen und Multipler Sklerose dar. Gleich mehrere Beiträge zur tiefen Hirnstimulation schlugen die Brücke zu emerging technologies. Nicht zuletzt bot die Session deep learning in der Neurologie Einblicke in Methoden der künstlichen Intelligenz, die künftig voraussichtlich größere Bedeutung erlangen. Auch dieses Jahr spiegelte sich im Programm wider, dass sich die elektrophysiologischen und bildgebenden Methoden weiterhin sowohl in der Klinik als auch in der Wissenschaft hervorragend ergänzen.

Erstmals fand dieses Jahr das Habilitiertensymposium statt. Zwanzig Habilitierte der Jahre 2017 und 2018 der Deutschen Neurologischen Universitätskliniken präsentierten hier in konzentrierter Abfolge Ihre Forschung. Prof. Weiller, der Tagungspräsident, und die beiden Beisitzer, Fr. Prof. Flöel (Greifswald) und PD Dr. H. Laufs (Kiel) beglückwünschten die Vortragenden zu ihren hochwertigen Beiträgen und waren wie das Publikum von der wissenschaftlichen Qualität und Vielfalt der universitären Forschungslandschaft begeistert.

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