59. Jahrestagung der DGKN 2015 mit Richard-Jung-Kolleg in Tübingen: Ein Rückblick und Ausblick

Etwas verspätet möchten wir noch von der 59. Jahrestagung der DGKN berichten, die vom 18.-21. März 2015 stattfand. Tagungsort an der 1477 gegründeten, traditionsreichen Universität Tübingen, war der naturwissenschaftliche Campus an der Morgenstelle, der sowohl eine sehr große Auswahl an Vortragsräumen als auch um seine große Eingangshalle herum genügend Raum für Poster und die Industrieausstellung bot. Mit über 1200 Teilnehmern war der Kongress sehr gut besucht. Auch das Richard-Jung Kolleg, die Fortbildungsakademie der DGKN, war mit ca. 950 Buchungen wieder sehr erfolgreich. Vorgelagert fand noch das "International Symposium on Transient Dynamic Brain States" als Satelliten-Veranstaltung statt. Insgesamt gab es 41 wissenschaftliche Symposien, 30 Kurse der Fortbildungsakademie, dem Richard-Jung Kolleg, sowie 4 Festvorträge. Als besonderen Erfolg sehen wir die 240 wissenschaftlichen Einreichungen speziell der jüngeren Kollegen für Vorträge und Poster, die die Wichtigkeit des Raums im Programm für Kurzvorträge und Poster für die Nachwuchsarbeit widerspiegeln, und auch die hohe wissenschaftliche Aktivität unseres Feldes zeigen.

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Die Leitthemen der Tagung waren Bildgebung, Epileptologie und Neuromodulation, Bereiche in denen die klinische Neurophysiologie viel Tradition aber auch Bedeutung für die Zukunft hat. Ein Höhepunkt des Kongresses war der am ersten Abend stattfindende Festvortrag von Professor Lopes da Silva über die Historie der klinischen Neurophysiologie zum Verständnis insbesondere der generalisierten Epilepsien. Seine wegweisenden Arbeiten über die Frage des thalamischen versus kortikalen Anfallsursprung sind die Basis für unserer aktuelles Verständnis dieser Erkrankungen und die modernen Methoden der Netzwerk-Bildgebung. Im weiteren Programm war es uns ein Anliegen, neue, wissenschaftliche Perspektiven und Entwicklungen aufzuzeigen, die für die klinische Neurophysiologie in den nächsten Jahren relevant sein werden. Eine sehr spannende Entwicklung ist die zunehmende Konvergenz unserer klassischen neurophysiologischen Methoden mit moderner Bildgebung, etwa am Beispiel der Quellenrekonstruktion von EEG oder MEG mit hoher Kanalanzahl. Zu diesem Thema gab es - unmittelbar nach der Vorlesung von Professor Lopes da Silva, einen Festvortrag von Professor Margitta Seeck aus Genf im Hinblick auf die klinischen, epileptologischen Anwendungen sowie wissenschaftliche Symposien über multi-modale Bildgebung. Eine große Stärke von EEG/MEG ist die extrem hohe zeitliche Auflösung, die neue Einblicke in die funktionellen Netzwerke des Gehirns liefern kann. Zu diesem Thema gab es auch ein Highlight-Symposium, das den Bogen von invasiven Netzwerk-Ableitungen hin zu den nicht-invasiven Methoden MEG und MRT gespannt hat. Ein weiteres Highlight-Symposium stellte die aktuellen Entwicklungen der Hochfeld-MRT (7 - 9,4 Tesla), "Brainreading" und strukturellen Netzwerk-Bildgebung dar. Professor Christian Büchel aus Hamburg hielt einen spannenden Fest-Vortrag über Bildgebung des Schmerzes und Möglichkeiten der Schmerzmodulation. Der Schwerpunkt Neuromodulation, ein Kerngebiet der klinischen Neurophysiologie, reicht weit in die Geschichte zurück und ist hochaktuell. Über die Historie der verschiedenen Modalitäten gab es ein Highlight-Symposium, sowie den Festvortrag von Professor Peter Brown aus Oxford, der neue Möglichkeiten der Neuromodulation/tiefen Hirnstimulation bei Parkinson-Erkrankung und Tremor vorstellte.

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Der Gesellschaftsabend fand im Casino am Necker statt, direkt am Altstadt-prägenden Neckar mit Sicht auf die historische Neckarfront. Musikalisch wurde der Abend von der "Jazz-Kommission" der medizinischen Fakultät der Universität Tübingen begleitet, eine Jazz-Kombo aus Ordinarien und wissenschaftlichen Mitarbeitern. Dieser stimmungsvolle Abend bot den Rahmen für die diesjährige Preisverleihung des Richard-Jung Preises an Frau Prof. Kühn aus Berlin und Herrn Dr. Laufs aus Kiel. Frau Prof. Kühn erhielt den Preis für die wissenschaftlichen Untersuchungen zur Rolle pathologischer neuronaler Aktivität in den Basalganglien bei Patienten mit Bewegungsstörungen und die Erforschung des Wirkmechanismus der Tiefen Hirnstimulation. Herr Dr. Laufs für die wissenschaftliche Arbeit "Decoding wakefulness levels from typical fMRI resting-state data reveals reliable drifts between wakefulness and sleep", die sich mit der automatischen Erkennung von Schlaf anhand von funktioneller MRT befasst.

Insgesamt war die Tagung ein großer Erfolg für die Klinische Neurophysiologie und Bildgebung des Gehirns. Wir bedanken uns sehr herzlich bei allen Vortragenden und Teilnehmern für Ihre Beiträge und die vielen wissenschaftlichen Diskussionen, die diese Tagung so interessant gemacht haben, und freuen uns auf ein jährliches Wiedersehen.

Tagungsleitung
Professor Dr. med. Holger Lerche
Ärztlicher Direktor
Abt. Neurologie mit Schwerpunkt Epileptologie
Hertie Institut für Klinische Hirnforschung
Universität Tübingen
Werner Reichhardt Centre for Integrative Neuroscience

Tagungssekretär
Privatdozent Dr. Niels Focke
Oberarzt
Abt. Neurologie mit Schwerpunkt Epileptologie
Hertie Institut für Klinische Hirnforschung
Universität Tübingen
Werner Reichhardt Centre for Integrative Neuroscience

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Kongressorganisation
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