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Kongressbericht zum 66. Kongress für Klinische Neurowissenschaften mit Fortbildungsakademie

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Gut vernetzt: Gehirn-Netzwerk-Störungen verstehen und behandeln

Vom 10. bis 12. März vernetzten sich im Congress Centrum Würzburg ÄrztInnen und WissenschaftlerInnen auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN). Unter dem Motto: „Gehirn-Netzwerk-Störungen verstehen und behandeln“ diskutierten sie neue technische und digitale Möglichkeiten der Neurophysiologie, klinisch relevante Symptomnetzwerke im Gehirn zu analysieren, zu entschlüsseln und im Rahmen neuer Therapien zu modulieren. „Die Entwicklungen gehen weit über die Optimierung neurophysiologischer Methoden hinaus. Sie haben das Potenzial, die Neuromedizin im 21. Jahrhundert grundlegend zu revolutionieren“, sagte Kongresspräsident Prof. Jens Volkmann zum Auftakt. „Dafür wollen wir eine wissenschaftliche Allianz zwischen molekularen und systemischen Neurowissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Biologie, Informationstechnologie und klinischer Medizin schmieden.“ Den Auftakt zu einer Woche fachlicher Diskussion rund um Trends und Potenziale der Neurophysiologie bildete der „2nd Expert Summit on the Future of Deep Brain Stimulation“, der vorgelagert vom 7. bis 9. März ebenfalls in Würzburg stattfand.

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Endlich wieder möglich: persönliche Interaktion und Diskussion

Mit knapp 980 Teilnehmenden, 42 Ausstellern und Sponsoren, 33 Symposien, 4 Postersessions und 3 Satellitenveranstaltungen sowie 51 Methodenkursen der Fortbildungsakademie der DGKN, der FBA, konnte die Kongressleitung trotz der weiterhin herausfordernden Pandemie-Situation auf drei erfolgreiche Kongresstage zurückblicken.

Neben dem hochkarätig besetzten wissenschaftlichen Programm und neuen Formaten der Jungen Klinischen Neurophysiologen standen nach zwei Jahren „Social Distancing“ und zwei Online-Kongressen in Folge die persönliche Interaktion und Diskussion im besonderen Fokus. Alle Beteiligten freuten sich, endlich wieder persönlich zusammenzukommen. Ergänzend konnten die Beiträge aus dem wissenschaftlichen Programm nach dem Kongress erstmals als Video- und Tonaufzeichnung in der Mediathek abgerufen werden. Wer nicht vor Ort sein konnte, hatte die Möglichkeit, ein reines „On-demand“-Ticket zu buchen.

Mysterium Gehirn: The Free Energy Principle

Auf dem Präsidentensymposium diskutierte Prof. Volkmann die Entschlüsselung und Behandlung wichtiger Symptomnetzwerke im Gehirn mit drei führenden internationalen Experten. Prof. Karl Friston, Neurowissenschaftler am University College London und Experte für Bildgebung und Kartierung des Gehirns, gilt als einer der wichtigsten Hirnforscher der letzten 25 Jahre. Das von ihm entwickelte „Free Energy Principle“ geht davon aus, dass das Gehirn auf Basis von Erfahrungen ständig Realitäten vorwegnimmt, um durch das Vermeiden von Überraschungen Energie zu sparen. „Wir haben große Fortschritte bei der Kartierung des Gehirns gemacht, aber bis heute ist nicht klar, wie die einzelnen Bereiche zusammenwirken. Das Prinzip der freien Energie könnte die Hirnforschung revolutionieren“, fasste Prof. Volkmann zusammen.

Atlas der Gehirnkonnektivität und Licht, das auf die Nerven geht

Mit der Entschlüsselung des komplexen Schaltplans unseres vernetzten Gehirns befasst sich auch Prof. Michael D. Fox, Associate Professor für Neurologie an der Harvard Medical School und Direktor am Center for Brain Circuit Therapeutics in Boston. In seinem Vortrag „Explaining Neurological Symptoms with Lesion Network Mapping“ korrelierte er Hirnläsionen mit Funktionsausfällen, um die Gehirnkonnektivität zu rekonstruieren.

Prof. Philip Tovote, Kodirektor des Instituts für Klinische Neurobiologie am Universitätsklinikum Würzburg, erklärte in seinem Vortrag „Brainstem State Generator Circuits at the Intersection of Emotions and Motor Control“, wie er Nervenzellpopulationen des Angstnetzwerks mit Lichtimpulsen aktiviert, um kausale Zusammenhänge zu erforschen.

Vom Aufbruch und Scheitern: Ethische Fragen der Neurophysiologie

Auch ethische Fragen im Zusammenhang mit dem rasanten technischen und digitalen Fortschritt der Neurophysiologie wurden diskutiert, etwa in der Keynote Lecture von Prof. Johannes Krause. In seinem Vortrag „Hybris: Die Reise des Menschen, vom Aufbruch und Scheitern“ beschäftigte sich der Bestseller-Autor und Direktor am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig mit der Frage, welche Gefahren in der zügellosen Kraft des Menschen liegen – und was wir in Zeiten von Klimawandel, Ressourcenmangel und globalen Pandemien aus der Vergangenheit für unser Überleben lernen können.

Ehrung des Lebenswerks, exzellente Fortbildung und Nachwuchsforschung

Auf dem Kongress wurden traditionsgemäß mehrere Persönlichkeiten geehrt, die sich im besonderen Maße um die klinische Neurophysiologie oder die DGKN verdient gemacht haben. Prof. Dr. Marianne Dieterich (München) erhielt für ihr langjähriges und umfassendes wissenschaftliches Wirken die „DGKN-Verdienstmedaille für das Lebenswerk im Bereich Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung“. Prof. Dr. Regina Trollmann (Erlangen) wurde mit dem „DGKN-Fortbildungspreis der Fortbildungsakademie“ für ihr langjähriges, außergewöhnliches Engagement in der klinisch-neurophysiologischen Fortbildung ausgezeichnet. Christina Stier (Göttingen) erhielt den „DGKN-Nachwuchsforschungspreis Funktionelle Bildgebung“ für ihre international hochrangig publizierte wissenschaftliche Arbeit zu genetischen Epilepsien. Darüber hinaus wurde Prof. Karl John Friston (London, GB) in Anerkennung seiner bahnbrechenden Arbeiten zur Kartierung des menschlichen Gehirns zum DGKN-Ehrenmitglied ernannt. Für seine lebenslange Pionierarbeit auf dem Gebiet der Neurophysiologie wurde Prof. Rodolfo Llinás Riascos (New York/US) zum korrespondierenden DGKN-Mitglied bestimmt.

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Neurowissenschaft und klinische Neurophysiologie: Update in drei Tagen

Das wissenschaftliche Programm des DGKN-Kongresses umfasste das ganze Spektrum aktueller Entwicklungen der Neurophysiologie. Es bot Symposien zu Gehirn-Netzwerk-Erkrankungen, Neuroplastizität und nicht-invasiver Neurostimulation und beleuchtet innovative Methoden der klinischen Neurophysiologie. Diskutiert wurden auch der Einsatz von künstlicher Intelligenz, z. B. zur Optimierung der tiefen Hirnstimulation, die Translation aus der präklinischen Neurophysiologie, die Anwendung von tragbaren Sensoren (sog. Wearables) bei Bewegungsstörungen oder die neurophysiologische Erfassung von Adaptation und Reserve bei Gehirnerkrankungen wie Multipler Sklerose, Parkinson und ALS. In der DGKN-Fortbildungsakademie FBA gab es Kurse zum gesamten Methodenspektrum der Neurophysiologie. Der klinisch-neurowissenschaftliche Nachwuchs stand bei den Symposien der Jungen Klinischen Neurophysiologen (JKN) im Fokus.

PDF Hauptprogramm

Kongresspräsident

Prof. Dr. med. Jens Volkmann, Direktor der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Würzburg, Präsident der DGKN

Kongresssekretär

Prof. Dr. med. Daniel Zeller, Oberarzt der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Würzburg

Kongressorganisation

Conventus Congressmanagement & Marketing GmbH, Juliane Meißner
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DGKN Pressestelle

albertZWEI media GmbH, Sandra Wilcken
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Kongress-Website

www.dgkn-kongress.de